Code of Care

Beyond Mattrix BJJ Code of Conduct

English below

Dieser Code of Care wurde von BeyondMattrix entwickelt und darf ohne vorherige Zustimmung weder übernommen, vervielfältigt noch für eigene Zwecke verwendet werden.

Der BeyondMattrix Code of Care beschreibt, wie wir miteinander trainieren, arbeiten und Veranstaltungen gestalten möchten: respektvoll, diskriminierungssensibel, verantwortungsvoll und mit gegenseitiger Fürsorge.

BeyondMattrix versteht sich als feministischer und queerfreundlicher Raum. Der Schutz und das freie Trainieren von marginalisierten Personengruppen im Kampfsport stehen für uns an erster Stelle. Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Menschen unabhängig von Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, Herkunft, Hautfarbe, Alter, körperlichen Voraussetzungen, Religion oder sozialem Hintergrund Jiu Jitsu kennenlernen und trainieren können.

Dabei betrachten wir bestehende Machtstrukturen und gesellschaftliche Ungleichheiten kritisch. Wir reflektieren, wie diese Strukturen auch im Sport und in unseren eigenen Räumen wirken können, und arbeiten aktiv daran, strukturelle Ungleichheiten und Ausschlüsse abzubauen und zu dekonstruieren.

Dieser Code of Care gilt für alle Personen, die an BeyondMattrix-Angeboten beteiligt sind – als Teilnehmende, Trainer*innen, Organisator*innen, Helfer*innen, Kooperationspartner*innen oder Gäst*innen.

1. Respekt, Vielfalt und Gleichwürdigkeit

Wir begegnen einander respektvoll und auf Augenhöhe. Unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten, Körper, Identitäten und Hintergründe werden respektiert.

Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Queer- und Transfeindlichkeit, Ableismus, Klassismus, Antisemitismus, religiöse Diskriminierung, Body-Shaming sowie andere Formen von Abwertung und Ausschluss haben bei BeyondMattrix keinen Platz.

Wir wünschen uns von allen Mitwirkenden und Teilnehmenden eine gewaltfreie, gendersensible, diskriminierungssensible und ehrliche Kommunikation. Wir hinterfragen Normen und Verhaltensweisen, die dazu führen können, dass sich Menschen ausgeschlossen oder unsicher fühlen.

2. Grenzen, Consent und Verantwortung im Training

Jiu Jitsu ist ein körperlicher Sport. Körperkontakt gehört zum Training, aber jede Person entscheidet selbst über die eigenen körperlichen Grenzen.

  • Ein „Nein“, „Stopp“ oder ein physisches und/oder verbales Tap wird jederzeit und ohne Diskussion respektiert.

  • Consent (Zustimmung/Einvernehmlichkeit) kann jederzeit ohne Begründung zurückgenommen werden.

  • Niemand wird zu Körperkontakt, einer Übung oder einer Trainingssituation gedrängt.

  • Wir achten auch auf nonverbale Signale und nehmen Unsicherheit oder Unwohlsein ernst.

  • Bei Partner*innenübungen darf jederzeit eine andere Person gewählt oder eine Pause gemacht werden.

  • Trainingspartner*innen kommunizieren und vereinbaren vor und während des Sparrings oder Drills die Intensität und die jeweilige Intention der Übung. Ziel ist, dass beide Beteiligten eine gute Lernerfahrung machen und Verletzungen sowie körperliche oder mentale Überforderung vermieden werden.

  • Schlagen, treten und beissen sind im Jiu-Jitsu-Training nicht erlaubt.

  • Techniken werden entsprechend der gängigen Regelwerke der etablierten BJJ-Föderationen und unter Berücksichtigung der jeweiligen Gurtklasse trainiert. Techniken, die für die jeweilige Gurtklasse nicht zugelassen sind, werden nicht angewendet.

  • Mit steigender Gurtfarbe steigt auch die Verantwortung gegenüber weniger erfahrenen Trainingspartner*innen. Höhere Gurte sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und bemühen sich, durch ihr Verhalten ein gutes Beispiel für Respekt, Kontrolle und verantwortungsvolles Training zu geben.

  • In einer Kurssituation wird die Trainerin informiert, wenn die Matte während des Trainings verlassen wird.

3. Hygiene und sichere Trainingsbedingungen

Da Jiu Jitsu ein enger Kontaktsport ist, ist gute Hygiene ein wichtiger Teil gegenseitiger Fürsorge.

Für alle Trainings gilt:

  • Trainingskleidung wird sauber und nach jedem Training frisch gewaschen getragen.

  • Hände, Füße und Körper sollten sauber sein.

  • Fingernägel sind kurz und sauber. Lange oder künstliche Nägel sind beim Training nicht geeignet.

  • Offene Wunden müssen abgedeckt werden. Bei ansteckenden (Haut-)Erkrankungen wird nicht trainiert.

  • Schmuck, Uhren und andere Gegenstände, die Verletzungen verursachen können, werden vor dem Training abgelegt.

  • Matten und Trainingsflächen werden regelmäßig von allen Teilnehmenden gereinigt.

  • Außerhalb der Matten tragen wir saubere Badeschuhe oder Flip-Flops.

  • Wir sprechen Hygienethemen respektvoll und ohne Beschämung an.

No-Gi-Training:
Es müssen eine enganliegende Rashguard, eine Short und eine Unterhose getragen werden. Die Kleidung darf keine Taschen, Reißverschlüsse, Knöpfe oder andere harte bzw. hervorstehende Elemente enthalten.

Gi-Training:
Unter dem Gi müssen eine Rashguard sowie eine Short und/oder Leggings getragen werden. Auch hier darf die Kleidung keine Taschen, Reißverschlüsse, Knöpfe oder andere verletzungsgefährdende Elemente enthalten.

Das Tragen eines Zahnschutzes empfehlen wir ausdrücklich, insbesondere bei intensiverem Sparring.

4. Schutz vor sexualisierter Gewalt und Umgang mit Vorfällen

Sexualisierte Kommentare, unerwünschte Berührungen und Annäherungsversuche, sexualisierte Witze, Kommentare über Körper oder Sexualität sowie jede Form sexualisierter Belästigung oder Gewalt werden bei BeyondMattrix nicht toleriert.

Besondere Verantwortung tragen Trainer*innen, Organisator*innen und Personen in Vertrauens- oder Machtpositionen. Macht- oder Abhängigkeitsverhältnisse dürfen niemals genutzt werden, um persönliche, romantische oder sexuelle Kontakte zu erzwingen oder Grenzen zu überschreiten.

Fälle von sexualisierter Gewalt und sexualisierte Grenzüberschreitungen nehmen wir sehr ernst. Personen, die sexualisierte Gewalt ausüben oder nachweislich Grenzen überschreiten, werden von BeyondMattrix-Veranstaltungen und -Angeboten ausgeschlossen.

Wer eine Grenzüberschreitung beobachtet oder selbst erlebt, kann sich jederzeit an die verantwortliche Person von BeyondMattrix oder an eine Vertrauensperson wenden. Meldungen werden ernst genommen und möglichst vertraulich und sensibel behandelt.

Betroffene Personen werden respektvoll unterstützt und sollen selbst mitentscheiden können, welche Unterstützung sie möchten und welche weiteren Schritte sinnvoll sind. Niemand darf Nachteile erfahren, weil ein Vorfall angesprochen oder Unterstützung gesucht wurde. Je nach Situation können externe Beratungs- oder Unterstützungsstellen einbezogen werden.

5. Safer Space, Care und Feedback

Wir möchten eine sichere, inklusive und unterstützende Atmosphäre schaffen, in der Menschen Fragen stellen, Fehler machen, Grenzen kommunizieren und Feedback geben können, ohne dafür beschämt oder ausgeschlossen zu werden.

Wir achten aufeinander und respektieren unterschiedliche körperliche und emotionale Kapazitäten. Pausen sind jederzeit möglich. Niemand muss die eigene Belastungsgrenze überschreiten, um dazuzugehören oder Leistung zu zeigen.

Wir üben eine gewaltfreie Kommunikation. Feedback wird möglichst direkt, respektvoll und konstruktiv gegeben. Bei Konflikten versuchen wir zunächst gemeinsam zu verstehen, was passiert ist, welche unterschiedlichen Perspektiven bestehen und was es braucht, um eine gute Lösung zu finden.

Wir verstehen Care als gemeinsame Verantwortung. Sie soll nicht dauerhaft bei einzelnen Personen liegen, sondern von allen Beteiligten mitgetragen werden.

6. Machtkritik und Verantwortung

BeyondMattrix versteht sich als lernender und selbstreflektierender Raum. Wir wissen, dass auch in feministischen und queeren Räumen Machtverhältnisse präsent sind.

Deshalb reflektieren wir regelmäßig unsere Rollen, Privilegien und Entscheidungsstrukturen und versuchen, Macht transparent und verantwortungsvoll auszuüben. Wir hinterfragen bestehende Strukturen und arbeiten daran, strukturelle Ungleichheiten und Ausschlüsse abzubauen und zu dekonstruieren.

Wir nehmen Kritik ernst und sind bereit, Strukturen und Vorgehensweisen zu verändern, wenn sich zeigt, dass sie Menschen ausschließen oder verletzen.

Alle Beteiligten tragen Verantwortung dafür, zu einer respektvollen, sicheren und inklusiven Trainingsatmosphäre beizutragen.

7. Weiterentwicklung

Dieser Code of Care ist kein starres Regelwerk. Wir verstehen ihn als lebendiges Dokument, das gemeinsam reflektiert und weiterentwickelt wird.

Unser Ziel ist es, kontinuierlich zu lernen und Räume zu schaffen, in denen insbesondere marginalisierte Menschen frei, selbstbestimmt und ohne Angst vor Diskriminierung, Gewalt oder Grenzüberschreitungen Jiu Jitsu lernen und trainieren können.

ENGLISH

This Code of Care was developed by BeyondMattrix and may not be adopted, reproduced, or used for other purposes without prior permission.

The BeyondMattrix Code of Care describes how we want to train, work, and organize events together: respectfully, with awareness of discrimination, responsibly, and with mutual care.

BeyondMattrix understands itself as a feminist and queer-friendly space. The protection and freedom to train of marginalized people in martial arts are our top priorities. We want to create a space where people can discover and practice Jiu Jitsu regardless of gender, gender identity, sexual orientation, cultural background, skin color, age, physical abilities, religion, or socioeconomic background.

We critically examine existing power structures and social inequalities. We reflect on how these structures can also shape sports and our own spaces, and actively work to dismantle and deconstruct structural inequalities and forms of exclusion.

This Code of Care applies to everyone involved in BeyondMattrix activities – including participants, coaches, organizers, volunteers, cooperation partners, and guests.

1. Respect, Diversity and Equal Worth

We treat each other with respect and as equals. Different experiences, abilities, bodies, identities, and backgrounds are respected.

Discrimination, racism, sexism, queerphobia and transphobia, ableism, classism, antisemitism, religious discrimination, body shaming, and other forms of devaluation and exclusion have no place at BeyondMattrix.

We expect all people involved and participating to communicate in a non-violent, gender-sensitive, discrimination-sensitive, and honest way. We question norms and behaviors that can cause people to feel excluded or unsafe.

2. Boundaries, Consent and Responsibility in Training

Jiu Jitsu is a physical sport. Physical contact is part of training, but everyone has the right to decide what their own physical boundaries are.

  • A “No,” “Stop,” or physical and/or verbal tap must always be respected, without discussion.

  • Consent can be withdrawn at any time without justification.

  • No one should ever be pressured into physical contact, an exercise, or a training situation.

  • We also pay attention to non-verbal signals and take uncertainty or discomfort seriously.

  • During partner exercises, everyone may choose another training partner or take a break at any time.

  • Training partners communicate and agree on the intensity and intention of sparring or drills before and during the exercise. The aim is for both people to have a positive learning experience while avoiding injuries and physical or mental overload.

  • Striking, kicking and biting are not permitted during Jiu Jitsu training.

  • Techniques are trained in accordance with the commonly used rulesets of established BJJ federations and with consideration of the respective belt level. Techniques that are not permitted for a particular belt level are not practiced.

  • As belt level increases, so does responsibility toward less experienced training partners. Higher belts are aware of their role as examples and strive to model respectful, controlled, and responsible training behavior.

  • During a class, the coach must be informed when someone leaves the mat.

3. Hygiene and Safe Training Conditions

As Jiu Jitsu is a close-contact sport, good hygiene is an important part of caring for one another.

The following applies to all training sessions:

  • Training clothes must be clean and freshly washed after every training session.

  • Hands, feet, and body should be clean.

  • Fingernails must be short and clean. Long or artificial nails are not suitable for training.

  • Open wounds must be properly covered. People with contagious illnesses or skin infections should not train.

  • Jewelry, watches, and other objects that could cause injury must be removed before training.

  • Mats and training areas are regularly cleaned by all participants.

  • Clean flip-flops or shower sandals must be worn off the mats.

  • We address hygiene-related concerns respectfully and without shaming anyone.

No-Gi Training:
A close-fitting rash guard, shorts, and underwear must be worn. Clothing must not have pockets, zippers, buttons, or other hard or protruding elements.

Gi Training:
A rash guard as well as shorts and/or leggings must be worn underneath the gi. Clothing must not have pockets, zippers, buttons, or other elements that could cause injury.

We strongly recommend wearing a mouthguard, especially during more intensive sparring.

4. Protection from Sexual Violence and Handling of Incidents

Sexual comments, unwanted touching or advances, sexual jokes, comments about bodies or sexuality, and any form of sexual harassment or sexual violence are not tolerated at BeyondMattrix.

Coaches, organizers, and people in positions of trust or power carry particular responsibility. Positions of power or dependency must never be used to pressure someone into personal, romantic, or sexual contact or to violate their boundaries.

We take cases of sexual violence and sexual boundary violations very seriously. Anyone who commits sexual violence or is found to have seriously violated another person’s boundaries will be excluded from BeyondMattrix events and activities.

Anyone who witnesses or experiences a boundary violation can approach a responsible person at BeyondMattrix or a trusted person at any time. Reports will be taken seriously and handled as confidentially and sensitively as possible.

People affected by an incident will be treated with respect and should be able to decide for themselves what kind of support they want and what further steps they wish to take. No one should experience disadvantages or retaliation for raising a concern or seeking support. Depending on the situation, external counseling or support services may be involved.

5. Safer Space, Care and Feedback

We want to create a safe, inclusive, and supportive environment where people can ask questions, make mistakes, communicate boundaries, and give feedback without being shamed or excluded.

We look out for one another and respect different physical and emotional capacities. Breaks are always possible. No one should have to exceed their own limits in order to belong or perform.

We practice non-violent communication. Feedback should be given as directly, respectfully, and constructively as possible. In conflicts, we first try to understand together what happened, acknowledge different perspectives, and consider what is needed to find a constructive way forward.

We understand care as a shared responsibility. It should not permanently fall on the same individuals but should be carried by everyone involved.

6. Critical Awareness of Power and Responsibility

BeyondMattrix understands itself as a learning and self-reflective space. We recognize that power structures are also present in feminist and queer spaces.

We therefore regularly reflect on our roles, privileges, and decision-making structures and strive to exercise power transparently and responsibly. We question existing structures and work to dismantle and deconstruct structural inequalities and forms of exclusion.

We take criticism seriously and are willing to change structures and practices when it becomes clear that they exclude or harm people.

Everyone involved shares responsibility for contributing to a respectful, safe, and inclusive training environment.

7. Ongoing Development

This Code of Care is not a fixed set of rules. We understand it as a living document that is continuously reflected on and developed together.

Our goal is to continuously learn and create spaces where, in particular, marginalized people can learn and train Jiu Jitsu freely, autonomously, and without fear of discrimination, violence, or boundary violations.